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Eine Ecke des Paradieses

in der Nähe des Gardasees

Unser Märchen

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Unser Märchen

Dies ist das Märchen der alten Colombera

Die ländliche Villa der Colombera, die mit einem wertvoll dekorierten Wehrturm ausgerüstet war, wurde gebaut, um das Gebiet von Riva del Garda zu verteidigen. Für viele Jahre bot sie den Tauben, die über die Ufer des Sees flogen, Schutz und Rast. Im Laufe ihrer Geschichte hatte die Villa viele Funktionen, und für lange Zeit war sie die Privatresidenz des Aufsehers der Felder und beherbergte seine reizende Familie, bestehend aus drei wunderschönen Drillingstöchtern: Magdalena, Benedikta und Angelika. Peter, der Hüter, so genannt wegen seiner Arbeit als Aufseher der Felder von Riva, hatte leider seine Frau verloren und war mit seinen drei kleinen Töchtern, die er liebevoll meine “Täubchen “ nannte, alleine geblieben.
In der Tat, noch nie war ein Spitzname treffender. Einerseits glich ihr Aussehen dem der Maske Colombina, dem venezianischen Dienstmädchen mit Schürze,Haube und Rock, und andererseits schienen sie wirklich drei piepsende Vögelchen zu sein. Oder besser noch drei Entchen, die der strengen Mutterente im Gänsemarsch folgten. Die drei “Täubchen” waren immer schnell und sicher in ihren Bewegungen, auch wenn sie keine Mutter Taube zum Vorbild hatten. Da Peter auf den Feldern arbeiten musste und oft unterwegs war blieben die drei Mädchen den ganzen Tag alleine in dem groβen Haus. Die Tatsache, daβ sie Drillinge waren machte sie stark und vereint, und so gelang es ihnen die Angst zu überwinden ,die sie manchmal überfiel. In der Tat war ihr Motto das der drei Musketiere: “ Alle für Einen und Einer für Alle!” Und wenn sie es aussprachen fühlten sie sich unbesiegbar wie die französischen Schwertkämpfer.
Der Vater vertraute ihnen ( und er musste es auch tun ) und die Mädchen hatten seine Anweisungen fest in ihren Köpfen verankert: keine Fremden eintreten lassen, zu Mittag Maisbrei oder Gemüsesuppe essen, Wasser vom Brunnen holen, das Feuer im Kamin schüren, die Kühe mit Heu versorgen, sie melken, den Tauben Koerner geben, die Blumen giessen… . Vor allem eine Anweisung war verpflichtend: sie durften das Landgut der Colombera, mit seinen Weinbergen und Olivenhainen, umgeben von einer Mauer , nicht verlassen. Peter hielt seine “Täubchen” noch für zu jung um die grosse Welt, auβerhalb der Mauer zu erkunden. Er garantierte ihnen jedoch einen “ goldenen Käfig” ,das heiβt ein weites, geschütztes Gebiet in dem sie herumtoben konnten.
Es ist bekannt ,daβ keine Person , ob groβ oder klein, sich gerne an feste Regeln hält: Regeln sind zwar nützlich aber so langweilig! Das dachten auch die drei “Täubchen” . Sie fühlten sich jedoch verantwortlich sie zu respektieren, da ihnen ja ihr Vater vertraute und deswegen wollten sie ihm gehorchen, und natürlich fühlten sie sich so groβ und erwachsen. Um keine Zeit in unnütze Pflichten zu verlieren und um genügend Zeit für ‘s Vergnügen zu haben,hatten sich die drei Mädchen ihre Aufgaben auf Grund ihrer Fähigkeiten geteilt und waren sehr schnell in ihren Ausführungen geworden.
Körperlich waren sich die Drei sehr ähnlich, auch weil sie alle sehr langes Haar hatten ,so wie es in der damaligen Zeit modern war. Charakterlich dagegen waren sie sehr verschieden, und vielleicht gerade deswegen verstanden sie sich so gut:
Magdalena hatte braune Augen und malzbraune Haare, sie war ein wenig dickköpfig aber sympatisch, sie liebte die Tiere und war vielseitig wie eine Sonnenblume: sie konnte die Haare frisieren und auch nähen obwohl es ihr niemand beigebracht hatte; Benedikta hatte schillernde Augen , die den Himmel wiederspiegelten, ihre Haare waren braun, sie konnte schreiben und sehr schnell rechnen, sie war mutig, altruistisch und einfach wie eine Margerite: die Landwirtschaft gefiel ihr gut und sie kümmerte sich um die Blumen, die das Landgut schmückten; Angelika hatte helle Haare und Augen so blau wie der See, sie war sensibel, fantasievoll und süβ, sie konnte gut kochen ,zeichnen und lesen und war delikat wie eine Mairose: sie war die offizielle Kosterin des Öles und des Mosts, die der Vater produzierte. In einer so groβen Villa wie die Colombera war es leicht Spiele zu erfinden: in den weiten Feldern konnte man sich gut verstecken, und es gab auch genug Platz für die klassischen Ballspiele. Man spielte auch Seilspringen oder mit den Bauklötzen ,die der Vater aus Holz gemacht hatte; all diese Spiele gefielen den drei Täubchen, da sie ihre Schlauheit und Fantasie förderten.
Die Rückkehr des Vaters am Abend erweckte die Colombera zum Leben: die Mädchen umzingelten ihn um sich Streicheleinheiten zu holen und um seine Geschichten anzuhören; die spannensten Geschichten jedoch erzählten oft die Gäste, die vorbeikamen und einen Schlafplatz und ein warmes Essen suchten. Benedikta unterhielt sich eines Abends mit ihrem Vater und mit zwei Rittern, die von Brescia nach Venedig reisten und dort Maisbrei und Bratwürste gegessen hatten. Besonders eine Behauptung hatte es ihr angetan:”Gut dieser Maisbrei, aber wiβt ihr auch, daβ dieses türkische Getreide aus Amerika kommt?” “Aber was soll das” sagte Peter “ es heiβt türkisches Getreide und kommt aus Amerika? Aber wo ist denn dieses Amerika ? Könnte es sich nicht um die Erfindung eines Träumers handeln?” Der gröβere Ritter antwortete ernst: “Aber was soll das? Es ist schon mindestens 300 Jahre her, daβ Christofer Columbus Amerika entdeckt hat … er war der Erste, der den Mut hatte jenseits der Säulen des Herkules zu gehen, und er hat eine neue Welt gefunden , voll von Reichtümern , Flüsse von Gold, üppige Plantagen, Fisch in Hülle und Fülle, Viehherden, Obst in allen Farben und Formen … und ihr ,ein einfacher Landarbeiter erlaubt euch an diesen historischen Fakten zu zweifeln ? Vergessen wir es … .”Peter wuβte nicht ob er beleidigt sein sollte und sagte nichts darauf; Benedikta war ein wenig enttäuscht, aber gleichzeitig auch sehr beeindruckt von der Geschichte der Entdeckung Amerikas und ging sehr aufgeregt zu Bett.
Am Morgen erzählte sie ihren Schwestern die Geschichte von Christopher Columbus und sagte schlieβlich:” Das könnte unser neues Motto sein: Jenseits der Säulen des Herkules!” So entstand ein neues, abenteuerliches Spiel: die Säulen des Herkules waren für sie die Türpfosten des wertvollen Tores der Colombera. Jenseits dieser Tür begann eine Reise durch die Zeit , hinein in die Tiefen des antiken Landgutes, auf den Segeln der Fantasie. In der Colombera gab es jede Menge Geschichten: Künstler, Mönche, Bauern, Reisende, Hausfrauen, Kinder, Soldaten, Adlige, Ritter, Landstreicher und sogar einige Räuber hatten ihre Spuren an diesem Ort hinterlassen.
Niemand hatte je daran gedacht ein wenig reinen Tisch zu machen, und so dienten die beiden oberen Stockwerke des Turmes jahrelang als Lager für die verschiedensten Materialien. Das war die Welt der drei “Täubchen” und Stück für Stück zu erkunden war ihre wahre Leidenschaft. Eine groβe Holzkiste mit Schloss schien das Geheimnis der Geheimnisse zu bewahren: sie befand sich in einem Zimmer im obersten Stock des Turmes, wo auch seit Jahrhunderten versteckt ein antikes Bett aus Schmiedeeisen stand. Der Tag, an dem die Täubchen einen alten, verrosteten Schlüssel im Brunnen fanden, der unglaublicherweise das Schloβ der Holzkiste öffnete, offenbarte ihnen eine neue Welt.
Ein Damenkleid aus lila Samt aus der Renaissance, eine weiβe Haube, eine Bürste mit langen, blonden Haaren, ein Rosenkranz aus Silber, ein fast unlesbares Stück Papier, eine Kerze, ein Federkiel, ein Fläschchen getrocknete Tinte, Fäden, Nadeln und eine lange bestickte Borte; das waren die Dinge, die die “Täubchen” in der Holzkiste fanden. Eine Dame mit langen, blonden Haaren und wahrscheinlich reich ( das Kleid war sehr elegant) war für lange Zeit im Turm eingesperrt gewesen ( wie hätte sie sonst so viel sticken können?): aber welche war ihre Geschichte?
Mit Hilfe der Kerze las Angelika in den verblichenen Papieren:” Im Jahr MCDXXXIX … Dame Carola Bianca aus Venedig … floh …aus Liebe zu Toni von Mocenigo … “ Benedikta dachte ein wenig nach und sagte dann, daβ sie verstanden hätte, daβ es sich um die Dame Carola aus Venedig handeln müsse, die vor vielen Jahren aus Liebe mit dem Boot nach Riva kam.
Die schlaue Magdalena entdeckte dann, daβ die Dame ihre lange Geschichte in die Borte gestickt hatte und so gelang es den Drillingen sie, mit Hilfe dieser Stickerei, zu erzählen. Carola Bianca war eine venezianische Adelige und leidenschaftlich in den Ritter Toni von Mocenigo verliebt. Er war zwar nicht adelig, aber sehr mutig und sie liebte ihn gegen den Willen ihrer reichen Familie. Sie wollte ihn nicht aus Venedig in den Krieg gegen die Mailänder ziehen lassen, der damals am Gardasee wütete. Und da sie sehr dickköpfig war und immer alles bekam was sie wollte, sagte sie: “Oh mein Liebster! Ich will, daβ du mich heiratest und mich überall mit hinnimmst! Tust du das nicht… spring ich aus Verzweiflung ins Meer und du wirst mich nie mehr wiedersehen! Der Ritter war nicht nur verliebt, sondern auch verängstigt, da er wusste daβ Carola sehr stur und zu allem fähig war. So organisierte er ihre gemeinsame Flucht. Eines Nachts brachte er sie in ein Mönchskloster, wo er sie, in Nullkommanichts, heiratete. Im Morgengrauen versteckte er sie auf einer der Galeeren, die von Venedig zum Gardasee fuhren. Sobald sie am See angekommen waren verstand er, daβ die Lage wirklich sehr drammatisch war und daβ das Leben seiner Liebsten in höchster Gefahr war. Verzweifelt suchte er nach einer Lösung um sie zu beschützen, und so versteckte er sie, mit Hilfe der Besitzer, für die gesamte Dauer des Krieges, im Wehrturm der Colombera. Und sooft es nur möglich war besuchte er sie heimlich.
Die Dame verbrachte die Wartezeit indem sie für ihren geliebten Toni betete und mit Nadel und Faden ihre Geschichte festhielt: die Farben und die Anmut der Stickerei liesen vermuten, daβ die beiden eine groβe Liebe verband, die sie auf dem Dachboden des Wehrturmes erlebten. Auf jeden Fall endete der Aufenthalt Carolas in Riva mit einer überstürzten Flucht was sich aus der zurückgelassen, halbfertigen Stickerei erschlieβen läβt. Die “Täubchen” waren überzeugt, daβ es den beiden mutigenLiebenden gelungen war, mit Hilfe von zwei Pferden, aus den Ställen der Colombera, nach Venedig zurückzukehren. In Venezia angekommen, bewiesen sie Carolas Eltern, daβ ihre Liebe stark war, sogar noch stärker als der Krieg. Den beiden Liebenden wurde verziehen und zu ihren Ehren gab man ein prächtiges Fest in der Lagune, welches mit einer eleganten Gondelfahrt auf dem Groβen Kanal endete.
Carola und Toni bewohnten einen wunderschönen Palast mit Aussicht auf die Adria und dort lebten sie mit ihren zahlreichen Nachkommen glücklich und zufrieden. Die Entdeckung dieser romantischen Geschichte machte die drei “Täubchen” so glücklich ,daβ sie sie jedem Reisenden der vorbeikam erzählten und oft fügten sie noch Besonderheiten hinzu ,wie zum Beispiel die Geschichte des Krieges am Gardasee, der im fünfzehnten Jahrhundert stattfand oder spezielle, venezianische Traditionen. Die Geheimnisse der Colombera jedoch waren viele und für jedes Geheimnis gab es ein wertvolles Fundstück . Die Drillinge suchten und forschten wie richtige Archeologen. Oft waren es nur kleine Sachen wie ein Brief , ein verstecktes Fresko, ein Geheimgang, aber immerhin waren es Hinweise, um die Vergangenheit des Ortes, an dem sie lebten, zu entdecken. Nun jenseits der Kolonnen des Herkules fanden die “Täubchen” zwar nicht Amerika aber sie machten trotzdem viele Entdeckungen und davon ausgehend ersannen sie viele, spannende Geschichten: in Wahrheit fügten sie auch ein wenig Phantasie hinzu … diese magische Zutat, die unser Leben vergnügter und kreativer macht.

Der heutige Anblick der Konstruktion ist aber auf die Veränderungen des 15. Jahrhunderts zurückzuführen, vom feudalen Turm im “Colombaio“.